Als mich Saadi vor einigen Monaten anschrieb und mir vorschlug nach Dubai zu kommen und mit Ihm zusammen einige Workshops auf die Beine zu stellen, musste ich nicht lange überlegen um zu entscheiden und stimmte sofort zu. Obwohl Dubai nicht grade zu meinen ersten Reisedestination galt, fingen wir dann auch sofort mit den Vorbereitungen an. Und ich kann sagen dass es sich in jeder Hinsicht gelohnt hat. Aber erstmal ganz langsam... von vorne...

Nach einem 6-stündigen und absolut bequemen Flug, landeten wir am Flughafen von Dubai. Die Zeitverschiebung in den Emiraten beträgt 2 Stunden nach vorne und so war es schon dunkel und ziemlich spät als wir dort eintrafen. Nach einiger Zeit, kam auch schon Saadi mit seinem gigantischen 4x4 Offroader um uns dann ins Hotel zu fahren. Zum ersten mal sahen wir dann auch die Stadt, zumindest einen kleinen Teil dessen und was soll ich sagen, auf den Bildern sieht es ja immer gigantisch aus und absolut futuristisch. Doch davor zu stehen und das mit eigenen Augen zu erleben ist nochmals was ganz anderes. Sofort schwirrten mir tausende Bildideen durch den Kopf. Doch die Müdigkeit macht sich auf jeden Fall bemerkbar und im Hotel freuten wir uns für den Anfang auf das bequeme Bett. Am nächsten Tag war die erste Destination die Wüste von Razeen und einen Workshop im Bereich Nachtfotografie mit einigen Einheimischen aus Dubai, die Saadi im Vorfeld organisiert hatte.

Nach einem erholsamen und langen Schlaf, wurden wir auch schon abgeholt und wir fuhren zusammen mit dem Camper und einigen Teilnehmer los. Die Location befand sich ungefähr 200 Kilometer außerhalb der Stadt. Da ist es richtig schön dunkel und genau da beginnt die wundervolle Wüste und zieht sich hunderte Kilometer nach Süden, weit über die Grenzen von Saudi Arabien. Als wir zum ersten mal die Sanddünen erblickten, wollte ich am liebsten alle paar Meter anhalten, aussteigen und Fotos machen. Dieser Anblick war einfach zu schön, aber wir sind ja sowieso bald da.

Und beim Treffpunkt warteten auch schon die restlichen Workshop-Teilnehmer. Unglaublich freundliche und lustige Leute, mit denen man sich über jedes Thema unterhalten konnte und für jeden Scherz zu haben waren. Während wir auch ein wenig quatschten und rumalberten, war unser Scout Saadi schon in vollem Gange dabei den Aufbau mit der Leinwand zu bewerkstelligen für den theoretischen Part später.

Ich hingegen schnappte mir schon mal die Teilnehmer und lief mit Ihnen zu den Dünen hinauf um eine Praxis Einführung für den Sonnenuntergang vorzubereiten. Ich habe jedem einzelnen geholfen die korrekten Einstellungen an Ihren Kameras vorzunehmen und war mit insgesamt 8 Teilnehmer schon ziemlich intensiv am erklären und sprintete fast schon von einem Student zum nächsten. Zwischendurch konnte ich auch ein paar Bilder machen, aber schlussendlich war es mir dann schon wichtiger, möglichst sinnvoll zu helfen.

Die Sonne ging langsam unter und bis weit über dem Horizont sah es sehr dunstig aus. Sand liegt in der Luft und schaffte es nicht wirklich sich am Boden nieder zu legen. Durch die vielen Luftturbulenzen wirbelte und schaukelte sich der Sand immer wieder hoch. Laut den Teilnehmer ein sehr ungewöhnliches Wetter für diese Jahreszeit. Aber es gab auf jeden Fall sehr diffuse Lichtstimmungen, während die Sonne unterging, die wundervoll in die unwirkliche Landschaft passten und so fotografierten wir aus verschiedenen Punkten aus und nutzten die unzähligen Linien, die das Auge ins Bild führen soll. Auch mit Zoom Objektiven um die Details einzufangen, lohnen sich hier ganz besonders, um die Abstraktheit der Formen einzufangen

.... als plötzlich der Wind aufkam... zuerst nur leicht merklich, aber innerhalb kurzer Zeit immer stärker wurde. Ein mittelmäßiger Sandsturm kam auf und der Sand wehte uns nur so um die Ohren. Auch unser Kamera Equipment war mittlerweile voller Sand, von den Augen ganz zu schweigen, ach was rede ich da, wir sind quasi schon mit der Umgebung verschmolzen 😛
Aber fotografisch gesehen gab es wundervolle Aufnahmen und große Dynamik in den Fotos.

Mittlerweile verschwand auch schon die Sonne und durch den lauten Wind mussten wir uns schon fast anbrüllen, so dass wir fürs erste unsere Sachen gepackt haben und wieder zurück zu unserem "Refugium" liefen.

Wir wollten uns schon in den Autos verschanzen als urplötzlich der Sturm aufhörte und sich die Lage beruhigte. Was für ein merkwürdiges Wetter. Sandstürme sind in unseren Breitengraden doch eher selten und so war auch das alles ein ganz neues Erlebnis. Jedoch stellte ich fest, dass nun der Himmel fast komplett zu war. Von Wolken keine Spur, aber Sand, tonnenweise Sand in der Luft und wir befürchteten dass es auch oben bleiben wird.

Da die Milchstraße sowieso erst gegen um Mitternacht so langsam auftauchte, machten wir schon mal alles bereit für unser arabisches Barbeque und Saadi war dabei schon richtig fleißig und hat das ganze Fleisch, Salate und Getränke im Camper vorbereitet. Hunger macht sich breit und die Tische sind gedeckt. Die traditionellen arabischen Speisen waren vor allem mit Fleisch geprägt, hauptsächlich Lamm, Hühnchen und Kalb. Erinnerte mich an Schaschlik, doch wird es dort "Shish Tawook" genannt und wird mit Fladenbrot gegessen. Als Beilage durfte natürlich nicht "Fattoush" fehlen, ein unglaublich leckerer Brotsalat, mit dazu ein Auberginenmus mit Humus und "Warak Inab", mit Fleisch, Tomaten, Paprika und Reis gefüllte Weinblätter.

Ich schwärme heute noch darüber. Und so sassen wir alle da, redeten, lachten und hofften natürlich dass sich die Wetterlage besserte. Denn im Moment sah man keinen einzigen Stern, nur Staub und Sand in der Luft weit über uns. Der Sandsturm vor ein paar Stunden, hat uns zwar einen wundervollen Sonnenuntergang geschenkt, dafür haben wir nun das Problem in der Nacht. Deswegen gab es eine kleine Planänderung und wir entschieden uns, jetzt schon mit dem theoretischen Teil anzufangen. Wir bauten also unsere Leinwand auf, den Projektor und richteten die Stühle und Tische ein. Kurz vor der Präsentation, erhob sich erneut der Wind und zwar noch stärker als zuvor. Nun war es wirklich ein Sturm und man konnte nichts mehr sehen. Die Plastikstühle schoben sich bedrohlich hin und her und ne Menge Material wurde uns um die Ohren gepustet. Es blieb erstmal nichts anderes übrig als in den Camper und Autos zu flüchten und den Sturm abzuwarten. Alles war voller Sand und es wurde immer heftiger draußen. Wir improvisierten ein wenig und machten mit einem Teil der Teilnehmer, die sich im Camper mit uns befanden, einen Bildbearbeitungs-Crashkurs. Die Tatsache dass wir mit großer Wahrscheinlichkeit heute keine Milchstraße sehen würden, bewahrheitete sich immer mehr und dennoch hatten wir eine Menge Spaß und essen war ja auch noch genug da 😛

Nach ungefähr einer Stunde, legte sich der Sturm wieder und wir krochen aus den schützenden Autos raus, nach wie vor aber keine Sterne. Die paar wenige Testfotos die wir machten um die Klarheit des Himmels zu testen, waren erschreckend. Doch es war angenehm warm draußen und wir fingen an ein wenig aufzuräumen und die Liegestühle aufzustellen. Wenigstens gab es doch viele gute und lustige Gespräche und die Teilnehmer konnten doch im theoretischen Part der Bildbearbeitung einiges gewinnen.

Als guten Zeitvertreib testeten wir die selbst konstruierten Lichtstäbe von Saadi und unter seiner Anleitung, machten wir erst ein paar Versuche und dann auch wirklich einige Fotos. Während Saadi also weiter vorne rumhüpfte, stellten sich alle in eine Reihe und ich half mit den Einstellungen der Kameras.

Wir hatten wirklich Spaß bis weit über Mitternacht hinaus, als es in weiter ferne plötzlich aufblitzte, immer mehr und in immer kürzeren Abständen. Das grollen kam immer näher und die ersten Regentropfen fielen runter. Was für ein verrücktes Wetter, dass sogar den "Dubaier" unbekannt war 😛 Wieder zurück in den Autos harrten wir dort aus und schließlich schliefen wir für ein paar Stunden ein um dann wenigstens zum Sonnenaufgang bereit zu sein.

Nach einem Regenguss in der Wüste, nehmen die Sanddünen und dessen Strukturen ganz andere Formen an. Auch die Farbe erscheint anders und man bekommt ein wenig das Gefühl dass wir uns an einem anderen Ort befinden, als am Vorabend. Wir liefen nochmals in die Wüste rein und achteten uns besonders gut darauf, nicht allzu viele Fußabdrücke zu hinterlassen, um nicht mögliche Bildkompositionen zu zerstören.

Mit dem Wissen vom Vorabend verteilten sich die Teilnehmer in grösseren Abständen und setzen das gelernte um. Es lag noch eine Menge Dunst am Horizont und sogar einige Wolkenfetzen sind am Himmel übrig geblieben, aber der Regen hat sichtlich geholfen den Sand runterzubringen, die Luft ist um einiges klarer. Ob das eventuell eine Chance für die nächste Nacht ist, werden wir dann bald erfahren.
Nun brauchen wir erstmal alle ein leckeres Frühstück und nen starken Kaffee, bevor es dann langsam zurück ins Hotel gehen. Wir brauchen ein wenig Schlaf und vor allem eine Dusche.

Ich werde wöchentlich über jeden Tag / Nacht in Dubai einen kleinen Blogbeitrag schreiben um meine Eindrücke zu schildern und nicht zuletzt auch ein paar Reisetipps zu geben und auch einige technische Angaben zu machen. Wer also nichts verpassen möchte, der kann sich in meine Newsletter eintragen, um immer auf dem aktuellsten Stand zu sein 🙂

Love & Peace
Fabio

 

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